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Maultier/Maulesel sind heute in Deutschland

eine Seltenheit,
es gibt einige Importtiere oder Zufallsprodukte.

Die ersten Versuche in Deutschland, wieder Maultiere zu züchten, gibt es auch. Wie erfolgreich diese Zuchtversuche sind, wird sich erst in den nächsten Jahren zeigen.
Die meisten Mulibesitzer sind sehr an einem Erfahrungsaustausch interessiert. Denn Menschen, die über fundiertes Wissen über Mulis verfügen, gibt es in Deutschland fast nicht mehr.
Aktuelle Literatur über Maultiere ist in Deutschland rar. Wissenschaftliche Arbeiten über die Mulizucht in bezug auf die Auswahl geeigneter Elterntiere sind nach meiner Kenntnis nach dem II.Weltkrieg nicht mehr veröffentlicht worden.
Doch das war nicht immer so, noch im Mittelalter waren Maultiere bei adligen Damen und Kirchenmännern als Reittiere sehr begehrt. Durch ihre Zuverlässigkeit, ihr flottes Tempo, ihre Trittsicherheit und ihre bequemen Gänge (viele Maultiere gingen Tölt) übertrafen sie den Esel und das Pferd. Die Möglichkeit, mit Kutschen zu reisen, verdrängte in Deutschland das Reitmaultier.
Als Trag- und Zugtier wurden Maultiere weiterhin eingesetzt, über den Maultiereinsatz beim Militär gibt es viele Belege. Aber auch bei der Feld-, Wald- und Weinbergarbeit waren Maultiere im Einsatz, leider haben wir darüber bisher wenige Belege (Fotos oder Literatur) gefunden. Es gibt Belege, dass Mulis in den Kohlebergwerken im Ruhrgebiet eingesetzt wurden Mußten die Mulis in den beiden Weltkriegen auch in Deutschland ihr Bestes geben, so hat es den Anschein, als hätten wir diese einmaligen Tiere bei uns völlig vergessen.

Unauffällig hat uns das Muli seit Vereinsgründung begleitet. Auf jedem unserer großen jährlichen Eseltreffen mit über hundert Eseln war mindestens ein Muli dabei.
Einige unserer Mitglieder halten Maultiere oder Maulesel, oder sind über den Esel zum Muli gekommen. Manche Mulibesitzer haben sich unserem Verein angeschlossen, weil es sonst kaum Ansprechpartner für Mulifreunde in Deutschland gibt. Bei den jährlichen Eseltreffen haben die Mulibesitzer die Möglichkeit ihre Tiere bewerten zu lassen. Ebenso ist das Eseltreffen (oder sollten wir es nicht immer Esel- und Mulitreffen nennen?) ein hervorragendes Forum für den Erfahrungsaustausch zwischen Mulibesitzer und Muliinteressenten. Und die Mulis haben Gelegenheit zu zeigen, wie sie wirklich sind. Zum Erfahrungsaustausch und zur Wissensvermittlung trägt auch unsere 1/4 jährlich erscheinende Vereinszeitung die "Esel-Post" bei. In ihr werden regelmäßig Artikel über Mulis veröffentlicht.

Die Maultierzucht Schon sehr früh haben sich Menschen die Vorteile der Maultiere zunutze gemacht, so stammt der wahrscheinlich älteste Nachweis für das Maultier aus dem 15. Jahrhundert v.Chr.; in einem ägyptischen Grab aus dieser Zeit fand man eine Maultierabbildung.
Maultier und Maulesel, was ist was und was ist der Unterschied?
Pferdestute x Eselhengst = Maultier
Eselstute x Pferdehengst = Maulesel
Im deutschsprachigen Raum wird die Bezeichnung Muli meist für beide Kreuzungstiere benutzt.
Die Kreuzungstiere/Hybriden sind in der Mehrzahl Maultiere.

Über den Unterschied zwischen Maulesel und Maultier wird viel gerätselt und gefachsimpelt. Neuere Untersuchungen weisen darauf hin, dass es keinen Unterschied gibt, wenn zur Zucht Elterntiere aus den gleichen Rassen verwendet werden. Bei der Maultierzucht sollte auch die Prägung durch das Muttertier bedacht werden.
Mulis sind eine Erfindung des Menschen und kommen in der Natur nicht vor. Wahrscheinlich durch die unterschiedliche Chromosomenzahl der Elterntiere sind die Tiere meist unfruchtbar.
Von Mulistuten gibt es Nachweise für eine Nachzucht. Mulihengste sind wahrscheinlich immer unfruchtbar.
Das Sexualverhalten bei Stuten und Hengsten ist, trotz ihrer weitgehenden Sterilität, völlig normal. Hengste können sehr triebhaft werden und sollten frühzeitig kastriert werden.
Mit der sehr aufwendigen Maultierzucht wollte man die positiven Eigenschaften von Esel und Pferd vereinen.
Maultiere sind langlebiger, leichtfuttriger, von gesundheitlich besserer Kondition, viel trittsicherer und unempfindlicher gegen Hitze als das Pferd.
Maultiere sind unempfindlicher gegen Nässe und Kälte sowie größer und stärker als der Esel.
Will man diese Eigenschaften erhalten, muß schon bei der Auswahl der Elterntiere sehr sorgfältig vorgegangen werden. Der Körperbau der Elterntiere muß korrekt sein. Noch wichtiger ist der Charakter der Elterntiere. Besonders das Muttertier muß ruhig, ausgeglichen, arbeitswillig und menschbezogen sein. Diese Eigenschaften sollen die Stuten nicht nur vererben, das positive Verhalten der Mütter prägt die Fohlen auch bei der Aufzucht nachhaltig. Besonders wichtig bei der Aufzucht von Mulis ist die frühzeitige Prägung der Fohlen auf den Menschen.
In Deutschland haben Mulibesitzer immer wieder Probleme im Umgang mit ihren Tieren, die nicht nur auf mangelnde oder fehlerhafte Erziehung zurückzuführen ist, sondern auch auf die Auswahl ungeeigneter Elterntiere.

Das Muli

Mulis gibt es in allen Größen und Farben, vom Kaltblut übers Vollblut bis zum Shetty, abhängig von den Elterntieren. Genau wie in Größe und Farbe unterscheidet sich auch das Verhalten der einzelnen Mulitypen. Mulis sind im allgemeinen charakterstarke Tiere mit einem sehr guten Gedächtnis und hoher Intelligenz. Sie haben mehr Fluchtinstinkt als der Esel, reagieren dabei aber selten so panisch wie ein Pferd. Versucht man Mulis mit Gewalt zu "erziehen", verstehen sie es sehr gut sich zu wehren, wobei die Mulis ihre große Gelenkigkeit zeigen.
Mulis brauchen lange bis sie sich an einen neuen Besitzer gewöhnen, besonders bei der Eingewöhnung sind sie sehr sensibel. Mulis sind neugierig und arbeitswillig, Langeweile bekommt ihnen gar nicht. Ähnlich wie beim Esel ist auch beim Maultier/Maulesel die Ausbildung nicht so einfach wie beim Pferd. Es gibt bei uns auch keine fachlich qualifizierten Ausbilder für diese Tiere und sie unter- scheiden sich in der Ausbildung in einigen Punkten vom Pferd. Maultiere und Esel brauchen einen konsequenten Ausbilder mit Durchsetzungsvermögen, der trotzdem liebevoll und geduldig mit ihnen arbeitet.
Das Muli ordnet sich dem Menschen nicht so schnell unter wie die meisten Pferde. Sein gutes Gedächtnis speichert einmal Gelerntes sicher, Positives wie Negatives.
Mulis sind sehr gelenkige Tiere, im Gebirge zeigen sie ihre Stärke als trittsicheres, zuverlässiges Trag- und Reittier.

Die Haltung

Die Haltung von Mulis entspricht der von Pferden, ein heller, trockener, zugfreier Stall mit angrenzendem Auslauf ist ideal. Auf zu guten Weiden werden Mulis schnell zu fett. Zäune und Absperrungen müssen s?abil und hoch genug sein, da Mulis wahre Ausbruchskünstler sind. Natürliche Hecken halten kein Muli in Schach, sie fressen sich durch. Ein Elektrozaun sollte immer unter Strom stehen, denn Mulis merken sehr schnell, wenn das Elektrozaungerät abgeschaltet ist.
Mulis kann man nicht alleine halten, sie brauchen Gesellschaft anderer Tiere. Esel, Mulis, Ponies und Pferde mögen sie besonders. Gute Weidekameraden können auch Ziegen, Kühe oder Schafe sein. Mulis sind bessere Futterverwerter als Pferde, d.h. sie benötigen zwar die gleiche Masse an Futter, aber mit weniger Energie. Die Futterration richtet sich natürlich nach der Größe und Arbeitsleistung des einzelnen Tieres. Im Sommer genügt Grünfutter, im Winter gutes Heu und Stroh.
Frisches Wasser und ein Salzleckstein sollen immer zur freien Verfügung vorhanden sein. Nur bei regelmäßiger Arbeit soll zusätzlich Kraftfutter wie z.B. gequetschter Hafer gegeben werden.
Beim Hufbeschlag gibt es keine Unterschiede zum Pferd, bedingt durch ihre zähe Hufstruktur können viele Maultiere, auch bei der Arbeit, ohne Eisen gehen. Sind sie beschlagen, so muß regelmäßig, wie beim Pferd, umbeschlagen werden.
Bei richtiger Haltung und Pflege werden Mulis selten krank. Regelmäßige Impfungen und Entwurmungen sind auch beim Muli zur Gesunderhaltung genauso wichtig wie bei Pferd und Esel.

Der Kauf

Mulis allgemein eignen sich für alle Arten der Nutzung, jedoch ist nicht jedes Muli für alles geeignet. Wie beim Pferd muß man vor dem Kauf wissen, was man mit seinem Muli tun will. So wird man zum Pflügen ein Maultier im Kaltbluttyp einsetzen, für einen Distanzritt eher einen Vollbluttyp.
In Italien, Spanien, Frankreich und der Schweiz werden bevorzugt Arbeitspferde im Kaltbluttyp zur Maultierzucht eingesetzt. Man erzielt so Mulis, die im Umgang ausgeglichener als Vollblutmulis sind.
Zur Zeit werden viele Mulis von Händlern aus Spanien oder den Ostblockstaaten importiert, wo Mulis noch zum täglichen Lebenserhalt eingesetzt werden. Dies sind meist Tiere, die für ihre Besitzer unbrauchbar waren, da sie vielleicht krank sind, Skelettschädigungen haben oder bösartig sind. Vom Kauf solcher Tiere ist nur abzuraten. Beim Kauf gilt das selbe Rückgaberecht wie beim Pferd.
Ein brauchbares Muli soll einen geraden Rücken und gerade Beine, einen gesunden und neugierigen Eindruck machen, sich überall anfassen lassen, die Hufe geben und einen altersgemäßen Ausbildungsstand haben.
Von verdorbenen oder älteren unausgebildeten Mulis sollte man die Finger lassen, selbst Profis werden solche Tiere nicht immer korrigieren können.

Warum ein Muli?

Suchen Sie ein Reittier mit dem Sie auffallen, weil so etwas noch niemand hat und haben sie noch keine Erfahrungen mit Pferden und Eseln gesammelt? Haben Sie keine Zeit oder Geduld für eine fundierte Ausbildung für sich und Ihr Tier? Ist Ihnen ein Pferd zu teuer und ein Esel zu billig? Ist Ihnen ein Pferd zu groß und stürmisch? Dann tun Sie sich und dem Muli einen Gefallen, kaufen Sie kein Muli! Mulis sind keine Kuscheltiere, nach einer Eingewöhnungszeit schließen sie sich sehr eng an "ihren Menschen" an und sind meist sehr auf einen Menschen fixiert.
Die Ausbildung von Mulis ist schwieriger als bei Pferden und erfordert mehr Zeitaufwand. Ähnlich wie der Esel schließt sich das Muli dem Menschen an, jedoch nicht bedingungslos. Wenn es vor unbekannten Situationen stehen bleibt oder zurückweicht, wird das oftmals als Sturheit bezeichnet. Dies ist aber eine vom Esel vererbte Schutzreaktion, die das Tier instinktiv vor Schaden bewahren soll. Man kann ein Muli nicht mit der Peitsche "überreden", weshalb viele Esel-, Muli- und Pferdehalter oft verzweifelt die Flinte ins Korn werfen, und viele Frauen ihre Mulis zu Hochleistungen bringen.
Nur durch gezielte Ausbildung von Tier und Mensch erreichen wir eine für beide Seiten angenehme Zusammenarbeit. Ein ungeduldiger oder jähzorniger Mensch sollte besser die Finger von diesen Tieren lassen, denn durch falsche Ausbildung wird das Muli sicher zu einem unzuverlässigen beißenden Vieh.

Sie wollen trotzdem ein Muli?

Dann lassen Sie sich nicht vom Kauf abhalten. Investieren Sie in die Ausbildung für Tier und Mensch. Ihr Muli wird Ihnen dies danken und allen zeigen, was Mulis leisten können und welch menschbezogene kluge, einfallsreiche Tiere sie sind.
Maultiere können bis zu 40 Jahre und älter werden und sind bis ins hohe Alter arbeitsfähig. Da lohnt es sich, länger nach dem geeigneten Tier zu suchen. Denn diese Zeit soll für den Halter und das Muli eine schöne Zeit werden, in der beide viel Spaß miteinander haben.

Erstellt von Wolfgang Lieb und Annemarie Bank-Lauer